Mit dem Fahrrad durch Laos

Ja, das ist richtig. Ich bin für eine kurze Zeit in Laos mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Alleine und mit meinem kompletten Gepäck. Zurückblickend war es eines der größten Abenteuer auf meiner Reise. Vor allem da ich nicht wirklich wusste auf was ich mich da einlasse. 

Mein erster Stop in Laos war in Luang Prabang und dort habe ich 5 wunderschöne Tage verbracht. Das nächste Ziel auf der Liste war Vang Vieng und der Plan war, dort mit Minibus hinzufahren. Während meiner Zeit in Luang Prabang hatte ich mir für 2 Tage ein Fahrrad ausgeliehen, um die Gegend zu erkunden. Nach dem ersten Tag habe ich dann online nach möglichen Strecken und Zielen für den 2. Tag gesucht. Dabei bin ich auf verschiedene Blogposts gestoßen, die eine mehrtägige Radtour von Luang Prabang nach Vang Vieng beschrieben haben. Den Berichten zufolge, solle die Strecke zwischen Luang Prabang und Vang Vieng einmalig schön sein. Die Strasse schlängelt sich durch die Berge und man bekommt eine sagenhafte Aussicht geboten. Das hörte sich natürlich super an. Und da ich sowieso das Fahrradfahren vermisst habe (und auch immer noch vermisse), dachte ich es wäre eine super Idee diese Strecke auch mit Fahrrad zu fahren. 

Auf der Suche nach einem Fahrrad

Zuerst habe ich mich nach möglichen Touren informiert, aber da ich das Ganze sehr kurzfristig (den nächsten Tag) machen wollte und auch nur eine Person war, war es schwierig eine Tour zu finden. Und schlußendlich waren die Touren auch einfach zu teuer. Eine Tour hätte ca. 1000€ gekostet und das war mir dann doch zu viel Geld.

Online hatte ich allerdings auch verschiedene Blogsposts gefunden, wo Leute diese Strecke selber gefahren sind. Daher habe ich mir gedacht, dass ich die Strecke auch selber fahren kann. Als erstes brauchte ich natürlich ein Mountainbike.

Ich habe verschiedene Fahrradverleihe abgeklappert und gefragt ob ich mir ein Mountainbike ausleihen kann und dann am Ende in Vang Vieng in einem Partnerverleih zurückgeben kann. Leider habe ich keinen Verleih gefunden, der diese Option anbietet. Ich habe lediglich jemanden gefunden, der bereit war mir das Fahrrad auszuleihen und anschließend sollte ich es dann mit einem Bus zurückschicken. Das hörte sich erstmal ganz gut an, aber es gab dann doch einen Haken. Ich sollte meinen Reisepass bei Ihnen lassen und ihn erst wiederbekomme wenn das Fahrrad wieder bei Ihnen ist. Sie würden mir dann den Pass zusenden. Mir war sehr unwohl bei dem Gedanken meinen Reisepass bei irgendeinem Fahrradverleih in Luang Prabang zurückzulassen und darauf zu Vertrauen, dass sie ihn mir wirklich wieder zurücksenden.

Damit hatte sich diese Option auch erledigt. Und somit blieb also eigentlich nur noch eine Variante; ein Mountainbike zu kaufen. Was allerdings auch nicht so einfach ist wie es sich anhört, da es in Luang Prabang keinen Fahrradladen gibt. Also bin ich wieder zu einem Verleih hin und habe gefragt ob sie mir ein Fahrrad verkaufen würden. Zu meinem Erstauen hat er dann relativ schnell zugestimmt. Also, habe ich nun versucht das halbwegs beste Mountainbike auszusuchen und anschließend musste noch um den Preis verhandelt werden. Nach einigem hin und her haben wir uns geeinigt und ich hatte nun schließlich ein Mountainbike in Laos. Mein Plan war, dass ich das Fahrrad am Ende meiner Tour wieder verkaufen wollte. Ob das geklappt hat, dazu komme ich später. Aber nun ging es erstmal zurück ins Hostel und Sachen packen, da es den nächsten Tag schon losgehen sollte.

Fahrrad und Gepäck
Mein Mountainbike samt Gepäck

Auf geht's: Tag 1

Am nächsten Tag ging es los. Ich hatte mir die Blog Berichte auf meinem Handy abgespeichert und die einzelnen Stops auf einer Karte markiert. Insgesamt hatte ich 4 Tage für die Strecke geplant. Am ersten Tag wollte ich mich früh auf den Weg machen und eine Strecke von ca. 80km zurücklegen. Bevor es jedoch richtig losgehen konnte, musste ich noch ein paar Sachen besorgen. Zu einem einen Fahrradhelm und zum anderen noch einen Gepäckträger. Außerdem habe ich mir gleich noch eine Sim-Karte für mein Handy geholt. Damit ich auch von unterwegs aus Internet hatte und zur Not auch irgendwie Hilfe herbeirufen konnte. Bis ich alles zusammen hatte, hat es leider länger gedauert als ich geplant hatte und so bin ich erst gegen 11Uhr in Luang Prabang gestartet.

Das bedeutete nun, dass ich nun schön in der Mittagshitze fahren würde. Außerdem wurde mir klar, dass ich heute wahrscheinlich nicht die 80km schaffen werde. In Laos wird es gegen 17:30 Uhr schon dunkel und ich hatte keine Lust im Dunkeln zu fahren. Ich hatte gelesen, dass es im einem kleinen Ort 25km von Lang Prabang ein Gasthaus gibt und dann erst wieder in 80km Entfernung am eigentlichen Zielort Kiou Ka Cham. Auf der Strecke dazwischen soll es keine weitere Schlafmöglichkeit geben. Daher habe ich mich entschlossen den ersten Tag nur 25km nach Xiang-Ngeun zu fahren und dort in dem Gasthaus zu schlafen. Trotzdem die Fahrt recht kurz war, war sie sehr anstrengend. Es ging gleich zu Beginn recht steil bergauf und ich kam ziemlich ins schwitzen. Oben angekommen, ging es dann glücklicherweise rasant bergab und auf dem Rest der Strecke gab es nur noch wenige, geringe Steigungen. Mit mehreren kurzen Getränkepause war ich schon gegen 13:30Uhr in Xiang-Ngeun angekommen. Das war natürlich noch recht früh am Tage und ich war am überlegen, ob ich den Rest der Strecke doch noch fahren sollte. Ich wusste aber auch das auf dem restlichen Teil der Strecke 2 sehr große Steigungen kommen würden und ich vielleicht gerade so vor Einbruch der Dunkelheit ankommen würde. Daher habe ich mich entschlossen, in Xiang-Ngeun anzuhalten und dort zu übernachten.

Tag 2

Am nächsten Morgen bin ich dann zeitig aufgestanden, um diesmal wirklich der Mittagshitze zu entkommen. Das hat erstmal auch ganz gut geklappt. Für den 2. Tag standen ca. 55km auf dem Plan. Ich wusste, dass dieser Teil der Strecke recht hart werden würde, da er auch als anstrengendsten Teil der Strecke beschrieben wurde. Im Endeffekt habe ich es dann doch etwas unterschätzt. Aber erstmal ging es gut gelaunt los. Nach nur wenigen Minuten ging es in den ersten Anstieg des Tages. Dieser war ca. 14km bergauf, dann 1,5km bergab und dann nochmal 2km bergauf. Im Anschluss ging es dann 15km wieder den Berg hinunter. Und danach folgte der letzte Anstieg des Tages für ca. 20km und dann noch 2km auf flacher Streck Richtung Dorf und Schlafplatz. Beide Anstiege waren wirklich sehr steil und bin ich habe mich nur in einem sehr langsamen Tempo voranbewegt. Das ich mein gesamtes Gepäck dabei hatte, hat die Sache ja auch nicht gerade erleichtert. Ich war ziemlich froh als ich den ersten Anstieg schweißgebadet geschafft hatte. Inzwischen wurde es auch wieder extrem heiß und dazu kam noch die hohe Luftfeuchtigkeit.

Aussicht Laos
Die Aussicht war trotzdem sehr beindruckend

Die Abfahrt ging dann natürlich rasant und der Fahrtwind war sehr angenehm. Doch leider war die Abfahrt dann auch viel zu schnell wieder vorbei und es begann der zweite Anstieg des Tages. Diesmal in der brütenden Mittagshitze. Es kam mir vor, als würde ich nur in einem Schneckentempo vorankommen und so gut wie keine Meter gewinnen. Ich musste immer mehr Trinkpausen anlegen und sobald ich mich wieder aufs Fahrrad gesetzt hatte war ich nach 5 Minuten schon wieder KO. Das Ganze hat sich so über die erste Hälfte des Anstieges gezogen. Auf der Hälfte der Strecke gab es dann endlich mal wieder einen Stand wo ich Wasser kaufen konnte. Das war inzwischen auch echt nötig, da ich meinen andere Vorräte so gut wie aufgebraucht hatte. Nun war es bestimmt schon wieder 15Uhr und ich hatte noch immer 10km vor mir. Auf flacher Strecke alles kein Problem. Das schafft man ja schnell. Aber den Berg hinauf und bei der Hitze sollte sich das dann doch noch ein bisschen in die Länge ziehen. Als ich mir Wasser gekauft habe, hat gleichzeitig auch eine laotische Familie Pause gemacht hat. Sie waren in einen kleinen Ladefahrzeug unterwegs. Da ich wirklich fix und fertig war und nur noch ins Quartier wollte bin ich zu ihnen hingegangen und habe gefragt ob sie mich ein Stück mitnehmen würden. Trotz der Sprachbarriere haben wir es geschafft uns zu verständigen. Ich habe ihnen den Ort genannt wo ich hinwollte und dann noch mein letztendliches Ziel Van Vieng und sie haben zugestimmt mich mitzunehmen.

Per Anhalter Unterwegs

Also wurde mein Fahrrad und mein Gepäck hinten auf der Ladefläche verstaut und ich saß daneben. Neben mir waren noch 3 Leute aus der Familie mit hinten auf der Ladefläche. Also ging es voll beladen Richtung Unterkunft. Da ich wusste, dass es nur noch ungefähr 10km waren, sollte die Fahrt ja nicht all zu lange dauern. Nach ein paar Minuten sind wir dann auch in einem Dorf angekommen. Ich war dann ein bisschen verwundert als wir nicht angehalten haben. Aber gut, ist vielleicht doch erst das nächste Dorf. Dann ging es aber für eine Weile auf der Straße weiter ohne das noch ein weiteres Dorf in Sicht war. Das hat mich dann schon etwas beunruhigt, da ich mir nun nicht so sicher war wo wir denn hinfahren würden. Als ich mich dann nochmal an die Unterhaltung erinnert habe ist mir eingefallen, dass wir auch über Vang Vieng geredet haben. Wollten sie mich wirklich bis dahin mitnehmen? Das wäre ein ziemlich weite Strecke und es ist ja inzwischen auch schon Nachmittags. Je länger wir unterwegs waren, desto sicherer war ich mir dass wir wirklich bis nach Vang Vieng fahren und ich konnte entspannt die Aussicht genießen. Einmal  war ich dann noch kurz verunsichert, da wir plötzlich in einem Dorf angehalten haben. Die Leute drumherum waren offensichtlich Bekannte von der Familie und ich hatte kurz die Befürchtung das wir am Ziel der Familie waren und sie mich hier einfach ausladen würden.

Car to Vang Vieng
Auf der Ladefläche gings nach Vang Vieng

Abendbrot auf laotisch

Doch es hat sich dann glücklicherweise nur als Raststop rausgestellt. Ich bin mir immer noch nicht sicher ob es bei Freunden oder Familie war, aber sich haben dort angehalten um zu Abend zu essen. Ich stand erstmal rum und habe mich etwas umgeschaut, aber dann haben sich mich aufgefordert mich mit ihnen an den Tisch zu setzen und zu essen. Auf einem kleinen runden Tisch stand ein Topf  mit landesüblichem klebrigen Reis (sticky rice) und dann kleinere Schalen mit verschiedene Soßen. Gesessen wurde auf dem Boden und gegessen mit den Händen. Der Reis wurde zu einer kleinen Kugel geformt und dann in eine der Soßen gedippt. Außerdem haben sie dazu dann noch Chilischoten gegessen, die habe ich dann aber doch lieber abgelehnt. Nach dem Essen ging es dann weiter und abends gegen 22Uhr waren wir dann wirklich in Vang Vieng angekommen. Meine Sachen wurden abgeladen und ich habe mich nochmals herzlich bedankt und dann haben sich unsere Wege wieder getrennt. 

Trocknen von Chilischoten
Trocknen von Chilischoten auf der Straße

Schneller in Vang Vieng als gedacht

Meine Fahrradtour war damit natürlich deutlich schneller zu Ende als ich geplant hatte, aber so richtig traurig war ich darüber jetzt auch nicht. In den beiden Tagen bin ich ca. 80 km gefahren und dabei so gut wie keine gerade Strecke. Es ging immer bergauf und bergab und ich hatte auch immer mein gesamtes Gepäck dabei. Zusammen mit den äußeren Bedingungen, wie Hitze und Luftfeuchtigkeit, war ich wirklich fix und fertig und bin an meine körperlichen Grenzen gegangen (die die mich kennen wissen, dass ich eigentlich ganz fit bin). Das ich dann mit der super netten Familie aus Laos mitfahren konnte war natürlich ein extremer Glücksfall und eine unbeschreibliche Erfahrung. Sie waren so nett zu mir und haben mich sogar zum Abendessen eingeladen. Auf der Ladefläche des Autos konnte ich entspannt die Aussicht und den Sonnenuntergang genießen. Am nächsten Tag in Vang Vieng bin ich dann mit meinen Fahrrad zu verschiedenen Verleihshops gegangen und habe Ihnen mein Fahrrad zum Verkauf angeboten. Nach einigem hin und her war dann ein Shop interessiert und ich hatte mein Fahrrad nach knappen 4 Tagen wieder verkauft.

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Comments: 4
  • #1

    herbb (Monday, 17 April 2017 16:01)

    Hallo, toller bericht. bin die strecke auch gefahren und hab beim lesen deiner seite an jedem berg mit dir gelitten.

    https://www.servus-servus.de/welcher-weg-fuehrt-nach-vang-vieng/

  • #2

    Bianca (Thursday, 20 April 2017 09:10)

    Hallo herbb,

    freut mich, dass dir der Bericht gefällt. Das war wirklich ein interessantes Abenteuer :)

  • #3

    Sebastian (Thursday, 21 September 2017 21:02)

    Hi,
    ein wirklich toller Bericht. Mich würde interessieren, ob du noch in etwa weißt, was du für das Fahrrad bezahlt hast?
    Viele Grüße

  • #4

    Bianca (Friday, 22 September 2017 16:20)

    Hi Sebastian,

    freut mich, dass dir der Artikel gefällt. Leider weis nicht mehr wie viel dass Fahrrad gekostet hat. Allerdings fand ich es für Südostasiatische Verhätltnisse recht teuer. Aber glücklicherweise konnte ich das Rad ja auch wieder verkaufen :)